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Sommerekzem PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dr. Dieter Kolb   
Montag, 04. August 2008 um 09:51

Sommerekzem

Sommerekzem? Nein danke!

Wenn Sie ein Importpferd kaufen wollen, sollten Sie auf alle Fälle eine Garantie für
 
Ekzemfreiheit verlangen und bekommen!!

 Ihr Pferd muss in Island vor dem Export getestet werden.
 

Erwerben SIE nur ein Tier, das garantiert nicht  mit Sommerekzem belastet ist!

Sie ersparen dem Pferd Qualen und sich selbst viel Verdruss und Geld!

Sommerekzem heute 

Auszüge aus einem Vortrag vor ísländischen Tierärzten beim
Jahreskongress in Hólar am 22.8.1997:
 

Bericht der eigenen Geschichte:
 Beginn  :  Kauf von Sleipnir      1974/75  mit Dr. Rüdiger Neufang   Diskussionen über Genese des S.E. obwohl Sleipnir kein Sommerekzem hatte. Genese ist unklar. Es gibt Diskussionen über mögliche Ursachen:

Kribbelmücke, Eiweißüberfütterung, Sonneneinstrahlungswinkel, physiologisch-chemische Einflüsse.                   

Diskussionen darüber mit vielen Betroffenen, denn meine Stute Frekja zeigte manchmal komische Fellveränderungen im Sommer. 

Eigene Erfahrung:
Ekzemer sind willig, leistungsstark, gehen meilenweit und schwitzen kaum oder nicht.

Mein Problem begann mit dem Kauf von Funi frá  Hrepphólum 1977. Er war ein Distanzpferd und Ekzemer.
In der Schweiz ritt ich im September ´79 mit Funi einen 100 Meiler in  19h 40´.Bei Gesprächen über sein Ekzem, habe ich von den Vets gehört, dass Volon (ein Cortisonpräparat) nun einsatzbereit und unschädlich wäre und garantiert hilft.Daher habe ich im nächsten Jahr Volon spritzen lassen!

Beim nächsten  100 Meiler hier, am 1.Mai 1980, habe ich Funi nach der Hälfte gezogen, trotz prima Werten.Wir starteten in der Morgendämmerung um 4 Uhr in einer Gruppe von 7 Reitern. In der kühlen Morgenluft gingen die Pferde in einem schnellen Tempo die Strecke an, so dass wir schon nach 2 1/2 Stunden die 40 km bis Waldmohr geschafft hatten und dort auf die Tierärztin für den Vetcheck warteten. Wir kontrollierten derweil schon mal Puls und Atmung. Bei meinem Funi waren die Werte alle unter 18 in 15´´, so dass ich nach der Zwangspause sofort weiter konnte.Die Tierärztin, die mein Pferd schon längere Zeit kannte, war auch erstaunt. Auf dem Rückweg wurde Funi langsamer, was ich gar nicht von dem sonst immer vorneweg stürmenden Pferd kannte. An einem Check nach weiteren 20 km - die Werte waren immer noch unter 18 pro 15´´- beschloss ich trotzdem, das Pferd eine Strecke weit zu führen, um zu sehen, wie es sich verhält.Er trottete neben mir her, war aber sichtlich matt. Plötzlich kam unsere Gruppe, die sich verritten hatte, hinter uns her. Da hob er den Kopf, wieherte und machte wieder ganz fit.Ich hatte Mühe, dem Pferd so schnell zu folgen, wie es wieder lief. Nach einigen hundert Metern saß ich auf und erreichte den Ausgangspunkt mit der Gruppe mit der ich losgeritten war. Dort erklärte ich dem Tierarzt, dass ich mein Pferd nicht mehr weiterreiten würde. Funi war auch richtig schlapp. Daher brachte ich ihn zu unserer Herde.Am nächsten Morgen lag er tot auf der Koppel.Daraufhin entstand eine üble Rufmordkampagne sondergleichen.„Der verrückte Zahnarzt reitet sein Pferd tot!“, waren noch milde Worte. Reaktion Ich habe histologische Untersuchungen von Herz, Lunge, Magen, Darm und Leber veranlasst. Herz, Lunge und Leber waren total gesund, etwas anämisch. Aber die Magen- und Darmschleimhaut hatte sich zum großen Teil abgelöst. Das muss ein Prozess über Wochen gewesen sein, dennoch war Funi immer fit. Allerdings hatte er einen dünnen Stuhl – kein Wunder, Magen und Darm bestanden ja fast nur noch aus den die Schleimhaut umgebenden Muskel Der Pathologe meinte, das könne eine Reaktion auf das Volon sein. Also hat das Volon  durch irgendwelche pharmakologischen  Wechselwirkungen die Schäden verursachtDaraufhin habe ich mich mit Claus Becker besprochen. Wir haben zusammen alle vorliegenden Fakten zusammengetragen.Claus hat mir sehr geholfen, er berichtete:

„ Ich habe schon Ekzemer auf der fetten Weide verhungern sehen“
 Jeder, der dabei war, weiß, dass ich mich richtig verhalten habe und nichts versäumte, aber immer wieder höre ich noch mal:„Ach, sie sind der Doktor, der sein Pferd totgeritten hat.“ Das ist und bleibt weiterhin mein Problem!Also muss ich mich deshalb mit dem Thema weiterbefassen.
Eigene Untersuchungen

 
Zunächst habe ich  mir weitere und neue Literatur über das Sommerekzem beschafft. Da war aber nichts Neues zu finden.Dann habe ich  für mich alle Fakten zusammengetragen, die ich finden konnte:Höhenlage, Klima, Futter, Exposition.Dazu alle Ideen, die schon in Doktorarbeiten eingeflossen warenwie: Überdüngung der Weiden, Kribbelmücke etc. Das alles könnte dazu gehören,aber das waren nicht die Ursachen des

Sommerekzems 

Was ist denn nun die Ursache?
 Bei der Rundfahrt um Island 1983 mit meiner Familie im Camper habe ich ein Haut - Biopsie Besteck mitgenommen und überall, wo es mir in Zuchtstätten erlaubt wurde, habe ich Hautbiopsien gemacht. Zuhause habe ich diese Hautproben ausgewertet und mit den Proben von meinen Pferden verglichen.  Dabei stellte ich fest, dass die Pferde, die Ekzem hatten, 

alle weniger Schweißdrüsen im Biopsiebereich hatten, als die getesteten Nichtekzemer. 

Dazu passt auch, dass die Ekzemer bei Distanzritten immer bei der Kontrolle der Atmung schlecht abschneiden. Wenn man sich aber die Mühe macht, die Atmung genau zu beobachten, stellt man fest, dass sich zwei verschiedene Arten der Atemzüge abwechseln.
Ein tiefer Atemzug zum Gasaustausch und ein oder mehrere flache zur Kühlung über die Mund- und Nasenschleimhäute -ähnlich wie das Hecheln der Hunde.                            

 Was bedeutet das?
 Für mich war damit klar, das   Sommerekzem  hängt mit der Verteilung oder dem verminderten Vorhandensein der Schweißdrüsen zusammen .Wie ich schon andernorts (Das Islandpferd Nr. 23 <Sept./Okt 91>, Eiðfaxi Nr. 7/90) beschrieben habe, scheint die geringere Anzahl der Schweißdrüsen 

die Konzentration der <Inhaltsstoffe des Schweißes> zu verstärken. Das sind bekanntermaßen Stoffwechselprodukte (Harnstoff, Glucose, Aceton),Salze , Säuren (Harnsäure, Milchsäure, Aminosäuren, Fettsäuren) und  Pherome .   Dadurch können Mücken angelockt werden, deren Stich dann eine Eiweißreaktion auslösen kann, oder durch das nur punktförmige Auftreten von konzentrierten Schweißtröpfchen tritt ein Brennglaseffekt auf (Bauchnaht?)oder die Haut wird durch den konzentrierten Schweiß chemotoxisch irritiert,  das alles zusammen, oder jeder Faktor alleine, kann m.E. das Erscheinungsbild des Ekzems auslösen. Dass das Sommerekzem auf einer dieser Ursachen beruht, schließe ich auch aus der Beobachtung, dass bei Ekzemern das Leiden durch ein Diuretikum (Phytorenal) sehr gut gebessert werden kann. Dieses Mittel  lässt sogar, vorbeugend gegeben, bei behafteten Tieren, das Ekzem oft erst gar nicht voll ausbrechen. Bei der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten, stieß ich in einem Histologiebuch auf den Hinweis, dass Stuten und Kühe nach der Gabe von Prostaglandinen zur Auslösung des Eisprunges als Nebeneffekt starkes Schwitzen zeigen könnten!

Bei der Sammlung aller Faktoren, war  mir ja aufgefallen,
dass die Ekzemer besonders wenig schwitzen! 

Daher besorgte ich mir von der Firma Upjohn das Präparat Dinolytic (Wirkstoff Dinoprost).
Und als mich Gunnlaugur Skúlason, Bezirkstierarzt bei Selfoss in Südisland, besuchte, trug ich ihm meine Ideen vor. Daraufhin testeten wir gemeinsam in meiner Herde einige Pferde, sowohl Ekzemer als auch garantierte Nichtekzemerund meine Theorie bestätigte sich:die Nichtekzemer standen innerhalb von 5 Minuten nass vor Schweiß da,die Ekzemer zeigten nach etwa 20 Minuten höchstens am Hals einen handflächen großen Schwitzfleck, wenn überhaupt eine Reaktion auftrat.

Warum haben nun so viele Importpferde Ekzem?
 Dazu habe ich nun auch eine Theorie, die meine Gesamttheorie untermauert.Bei dem kühlen Klima und den ständig wehenden Winden ist starkes Schwitzen wegen der Erkältungsgefahr tödlich, so haben sich die weniger stark schwitzenden Pferde (weniger Schweißdrüsen) besser fortgepflanzt.  Test Mit dem

Mittel Dinoprost steht uns meiner Meinung nach eine Testsubstanz zur Verfügung. Nach der Injektion

von Prostaglandinen tritt als Nebenwirkung ein starkes Schwitzen auf. Cave! Trächtige Stuten! Für einen Test in Island ist das Kriterium:  wenn ein Pferd  stark schwitzt wird es auf dem Kontinent kaum ein Ekzemer! Umkehrschluss: ein Pferd das in Island nicht mit Dinoprost zum Schwitzen gebracht werden

 kann, bleibt besser  dort, sonst besteht die Gefahr, dass das Tier auf dem Kontinent ein Ekzem entwickelt.   

Mein Vorschlag zur Durchführung und Organisation der Ekzemvermeidung:
 Nach der Musterung werden die Pferde vor dem Verkaufsabschluss normalerweise sowieso untersucht. Dabei sollte der untersuchende Tierarzt Dinoprost  spritzen!  Schwitzt das Pferd danach, wird es gechipt und zum Export freigegeben, schwitzt es nicht, könnte es außerhalb Islands Ekzem bekommen. Daher sollte es nicht (oder nur auf Risiko des Käufers <nach schriftlicher Bestätigung!>) exportiert werden! Für den Tierarzt steht ein Formular bereit, auf dem er alle Beobachtungen festhält, die meisten Vorgaben müssen nur noch angekreuzt werden. Für diesen Ekzemtest sind ca. Є 60 oder  4.000. IKr zusätzlich zu zahlen.Davon gehen 20% an den Tierarzt, 20% sind für das Medikament und 60% kommen in eine Ekzem-Kasse. Sollte eines der getesteten Tiere (durch den Chip zu identifizieren) ein Sommerekzem zeigen, wird entweder dem Käufer aus der Kasse das Pferd

1. zurückgekauft (Isl. Preis + Transport)
2. Oder es wird ihm: Minderung angeboten.
3. Oder er erhält ein neues Pferd gleicher Güte aber ohne Ekzem :
 Durch diese Maßname, kann m.E., das Problem des Ekzems und seine Auswirkungen auf den  Markt, das heißt zunächst für den isländischen Züchter, kalkulierbar gemacht werden. Für statistische Zwecke erhält jeder Käufer zusammen mit dem Pferd einen Satz mit 3 Postkarten, auf denen im Ankreuzverfahren der Zustand des Pferdes beschrieben werden soll. Diese Karten sollen in drei aufeinanderfolgenden Jahren an eine Zentralstelle geschickt werden. Dort können sie mit dem Formular der Erstuntersuchung verglichen werden. Damit haben wir dann eine Fortschreibung der erhobenen Befunde. Damit  ist es auch möglich, ständig genauere Aussagen über die Ekzemprognose zu geben. Bei Stuten sollte dabei noch angemerkt werden, ob sie bedeckt wurden und mit welchem Erfolg! Ich glaube nämlich, dass auf dem Kontinent nur deshalb relativ wenige Ekzemer geboren werden, weil eine Disposition zum Ekzem eventuell zu einer

frühen Resorption führen kann.Dieser Theorie könnte man mit den Rückmeldungen ebenfalls nachgehen.  Mit meinen Aktivitäten gegen das Ekzem möchte ich den Importpferden auf dem Kontinent das Schicksal und die Qualen eines Ekzemers ( Funi  ist mir immer gegenwärtig!) ersparen!   Da ich außerdem meiner Theorie recht sicher bin, ich habe schon mehrere Pferde in Island getestet und mit meiner Prognose

recht behalten, traue ich mir, diesen Vorschlag zu machen. Je größer die Teilname und die anschließende Dokumentation ist, desto sicherere Daten stehen zur Verfügung.  Muster für den jährlichen Zustandsbericht eines Importpferdes

Das Pferd (Hengst/Wallach/Stute) mit der Chipnummer ....................ist seit  Monat/Jahr  in meinem Besitz. Im vergangenen Sommer Jahr traten keine/folgende Fellveränderungen ..................................................auf. Ich habe das Pferd von .............................................gekauft. Die Stute wurde Monat/Jahr von .............................. bedeckt und hat/hat nicht abgefohlt.Absender

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